Richard Graf Coudenhove-Kalergi wurde am 16. November 1894 in Tokio als Sohn eines österreichisch-ungarischen Diplomaten und einer Japanerin geboren. Als Jugendlicher für den Dienst in der Habsburger-Monarchie, dem übernationalen "Europa im kleinen", vorbereitet, verlor er nach dem Ersten Weltkrieg sein Vaterland und fand es in seiner Idee von "Paneuropa" wieder. Als knapp 28-Jähriger veröffentlichte er 1922 sein erstes Europa-Manifest: "Paneuropa - ein Vorschlag", in dem er den Zusammenschluß des kontinentalen Europa von Portugal bis Polen forderte, da es ansonsten "politisch, wirtschaftlich und kulturell zugrundegehe". Im Jahre 1923 gründete er die Sammlungsbewegung aller überzeugten Europäer: die Paneuropa-Union, die bis auf den heutigen Tag Trägerin des europäischen Einigungsgedankens ist. Bedeutende Staatsmänner der Zwischenkriegszeit, wie Aristide Briand und Gustav Stresemann zählten zu den Mitgliedern dieser Gruppe. Die Weltwirtschaftskrise und die Machtergreifung Hitlers machten aber zunächst alle Bemühungen zur europäischen Einigung zunichte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Coudenhove-Kalergi als Universitätslehrer in den USA erlebte, stellte er sich bereits 1946 wieder in den Dienst der europäischen Sache. Sein im Exil entwickelter Plan einer Europäischen Parlamentarischen Versammlung fand in der Gründung des Europarates eine Teilverwirklichung. Das "Europa der Sechs", die Europäische Gemeinschaft von 1957 geht ebenfalls weitgehend auf den Einfluß Coudenhove-Kalergis zurück.
Seine Mitstreiter in der Paneuropa-Union, Konrad Adenauer, Alcide de Gaspari, Robert Schuman, Paul Henri Spaak und letztlich auch General Charles de Gaulle zählten zu den Gründervätern der Europäischen Gemeinschaft. Die technokratische Entwicklung Europas in den späten sechziger und siebziger Jahren enttäuschte Coudenhove, entmutigte ihn aber nicht.
Im Wissen, daß sein Lebenswerk der Vollendung zustrebte, zog er sich in seinen letzten Lebensjahren immer mehr von den tagespolitischen Kleinkämpfen um die institutionelle Entwicklung Europas zurück. Er wußte, daß sein Mitkämpfer und späterer Nachfolger, Otto von Habsburg, seine Paneuropa-Union und seine Paneuropa-Idee zielstrebig und konsequent weiterführen würde.
Am 27. Juli 1972 starb der Prophet und Pionier Europas, Richard Graf Coudenhove-Kalergi.
Sein Lebenswerk fand eine grossartige Anerkennung in Form des Karlspreises am 18. Mai 1959.
In New York erreichte mich ein Brief des Oberbürgermeisters von Aachen, Dr. Maas. Er enthielt die Mitteilung, dass seine Stadt zur Erinnerung an Karl den Grossen einen Internationalen Karlspreis gestiftet hatte fü Persönlichkeiten, die sich besondere Verdienste um die Einigung Europas erworben hätten. Der Preis bestand aus einer goldenen Medaille und 5000 DM. Er sollte jährlich am Himmelfahrtstage verteilt werden.
Namens der Preisrichter bat mich Dr. Maas, ihrer einstimmigen Wahl entsprechend, als erster den Karlspreis entgegenzunehmen.
Die Karlspreisfeier begann am 18. Mai 1950, im gleichen Dom, in dem Karl der Grosse gebetet hatte und bestattet ist. Im Verlauf eines feierlichen Hochamtes, begleitet von den Engelsstimmen des Aachener Knabenchors, segnete der Dekan des Domes mein Paneuropa-Werk.
Von da ging es zur Kaiserpfalz. Im altertümlichen Saal, in dem vierunddreissig Kaiser der Heiligen Römisches Reiches gekrönt wurden, waren Wände und Decke durch Bomben und Geschosse schwer beschädigt. Die Wunden waren mit Tannenzweigen bedeckt. Diese Verbindung von uralter Pracht, Zerstörung und Eerneuerung erschien als lebendiges Symbol des ewigen Europas. Unter den vielen Wappen, die den Saal schmückten, war das Aachener Domkapitels besonders eindrucksvoll: zur Hälfte zeigt es den deutschen Reichsadler, zur anderen Hälfte das französische Lilienwappen.
In diesem halbzerstörten Kaisersaal überreichte mir Oberbürgermeister Maas die grosse Goldmedaille des Karlspreises, die auf der einen Seite das Siegel der Stadt Aachen trägt, mit dem Bildnis Karls des Grossen, auf der anderen eine sehr schmeichelhafte Inschrift. Ich schloss die Reihe der Reden mit einem Appell zur Erneuerung des Reiches Karls des Grossen im Geiste des zwanzigsten Jahrhunderts; zur Errichtung einer Föderation der Länder der kommenden Montanunion, deren Grenzen sonderbarerweise mit denen des Karolingerreiches fast identisch waren.
Nach dem Festbankett sprach ich von der Terrasse der Kaiserpfalz zu einer Volksversammlung, die das Denkmal Karls des Grossen dicht umdrängte. Ich sprach nicht von Politik, sondern vom europäischen Geist, ohne den Europa weder entstehen noch leben kann.
Die begeisterte Aufnahme dieser Rede zeigte mir, wie stark die Volksseele dieser deutschen Städte, die so schwer unter dem Krieg gelitten hatten, ihre Hoffnungen auf ein einiges Europa setzt, in der die Menschen ohne Kriegsfurcht, ohne Elend und ohne Unterdrückung leben können."]
(Aus: Richard Coudenhove-Kalergi. Eine Idee erobert Europa. 1958)
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas In necesses unitate, in dubitas libertate, in omnes caritate
Välttämättömässä ykseys, epävarmassa vapaus, kaikessa rakkaus