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Das Europa der Sprachen
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Le Europa de linguas:
Ricchessa per multitude
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PANEUROPA Deutschland 27. Jahrgang/Nr.2
2. Vierteljahr 2004
ISSN 0932-7592 Paneuropa Verlag GmbH.
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Bernd Posselt. Keine EU-Einheitssprache: Vielsprachigkeit als Reichtum
Nulle lingua unic europee: Multilinguismo como ricchessa
Orwell: "Certe linguas son plus equal quam le alteres ..." ![]()
Walter Brandmüller. Übernational und überzeitlich: Latein für Europa.
Supranational e supratemporal: Latino pro Europa![]()
Charles Delamare. Menschlichkeit und Weisheit: Die neue Kultur des alten Europa
Humanitate e sagessa: Le cultura nove del Europa vetule
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Nove linguas
Es le Union Europee post le allargamento con 25 statos e 20 linguages bureaucratic definitemente un confusion lingual babylonic? An Europa besonia un lingua unic? Le presidente del Union Paneuropee German, Bernd Posselt (membro del Parlamento Europee), debatte de consequentias del nove multiplicitate lingual, le significantia del linguas classic e del rolo de multe linguas de minoritates, que pote devenir a mortero o materia explosive a fundamentos de Europa. p 5...Vetule linguas
Caesar parlava lo assi como Cicero e cata legionario roman. Illo es le lingua de inscriptiones a vetule edificios e textos de vetule documentos: le latino. Sin cognoscentia fundamental del latino le cultura europee aperi solmente fragmentarimente. Professor Walter Brandmüller, presidente del Committee Papal pro scientias historic, examina le question an poterea iste previe lingua commun de Europa significar pro le hodierne Union Europee moderne. p 9...Mal parlate americano del globalisation ha equalmente como le lingua de Julius Caesar nulle chance como lingua commun europee. Le multilinguismo europee es le responsa.
Nove cultura
Le Europa del deman debe solver duo problemas, le fragmentation lingual e le debilitation demographic, constata Charles Delamare, qui visiona que ex le ambe defias va crescer un nove cultura del humanitate e sagessa pro Europa, que es capabile de comprender etiam altere culturas. p 11...
Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland
Keine EU-Einheitssprache: Vielsprachigkeit als Reichtum
Nulle lingua unic del UE: Multilinguismo como ricchessa
Paneuropa Deutschland 27(2004)2, p. 5-8
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THEMA DEL TITULO
NULLE LINGUA UNIC EUROPEE:Multilinguismo como ricchessa
Bernd Posselt
Le anglese del globalisation, mal parlate americano, ha nihil a facer con le lingua alte de William Shakespeare e illo es inapte como lingua unic europee.
Keine EU-Einheitssprache: Vielsprachigkeit als Reichtum
Von Bernd Posselt
Präsident der Paneuropa-Union DeutschlandPaneuropa Deutschland 27(2004)2, S. 5-8
Nulle lingua unic del UE: Multilinguetate como ricchessa
Per Bernd Posselt
Presidente del Union Paneuropee GermanPaneuropa Deutschland 27(2004)2, p 5-8
Seit dem 1. Mai hat die EU nicht nur 25 Mitgliedstaaten, sondern auch 20 Amtssprachen. Hinzu kommt die verwirrende Vielfalt der Regional- und Minderheitensprachen. Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, untersucht die politischen Auswirkungen. Vor 25 Jahren, nach der ersten Direktwahl des Europaparlamentes, stellten die anarcho-liberalen Radikalen um den Italiener Marco Pannella die noch junge Strassburger Volksvertretung auf manche harte Probe. Einmal erkoren sie das ausgefeilte System von Simultandolmetschern zur Zielscheibe ihrer obstruktiven Aktivitäten. Der italienische Radikale Cappato erhob sich von seinem Platz und redete - Latein. Die polyglotten Dolmetscher in den Kabinen verstummten jäh, und in den Kopfhörern der Parlamentarier war nichts mehr zu hören. Erst als sich in jener Nachtsitzung Otto von Habsburg von seinem Platz erhob und dem Italiener auf Lateinisch antwortete, löste sich der Bann, und das Plenum fand nach einigen Minuten der Heiterkeit zur Routine der verschiedenen Amtssprachen - zu denen Latein selbstverständlich nicht gehörte - zurück.
Der Zwischenfall löste jedoch ein heftiges mediales Echo aus, und vor allem die Verfechter des Lateinischen als Europasprache sahen ihre Aktien steigen. Doch weder sie noch die ehrenwerten, wie die Latein-Anhänger durchaus förderungswürdigen Esperanto-Befürworter konnten sich schliesslich durchsetzen. Esperanto wird immer ein nützliches und kulturell wertvolles, aber nur von Minderheiten gepflegtes Instrument der Völkerverständigung bleiben.
Die Rolle des Lateinischen geht sicher tiefer als die der Kunstsprache Esperanto, haben doch die Römer den ganzen Kontinent entscheidend geprägt, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Nicht nur als Bildungsfundament, sondern auch als Schlüssel zum Erlernen fast aller modernern europäischen Sprachen ist Latein weiterhin unverzichtbar, weshalb der Bildungs-Kahlschlag auf diesem Gebiet dringend gestoppt und die Vermittlung klassischer Sprachen massiv gefördert werden muss, soll Europa nicht veröden und kulturell zerfallen. Eine Aufwertung des Latein, etwa bei grenzüberschreitenden Wegweisern oder in multinationalen Institutionen, ist durchaus denkbar. Doch Latein als Verständigungssprache in Europa bleibt eine Illusion.
Das heute verbreitete Globalisierungs-Englisch, ein schlecht gesprochenes Amerikanisch, hat mit der Hochsprache William Shakespeares nichts zu tun und ist als europäische Einheitssprache untauglich.
Nun gibt es Kräfte, die dem Englischen die Funktion einer gemeinsamen Europa-Sprache zuweisen wollen. Dem steht entgegen, dass Deutsch und nicht Englisch die meistverwendete Muttersprache in der EU ist, dass die grossen EU-Institutionen ihren Sitz im französischen oder gemischt deutsch-französischen Sprachgebiet haben und dass sich sowohl die slawische als auch vor allem die romanische Völkerfamilie schwer tut, sich mit dem Englischen zu identifizieren. Hinzu kommt, dass die Briten in der EU geographisch, aber auch politisch als eher peripher gelten und man ihnen nicht noch einen überdimensionalen Einfluss einräumen will, dass ausgerechnet ihre Muttersprache zur einzigen offiziellen EU-Sprache mutiert [1]. Für das Englische spricht sicher, dass es derzeit die meistgesprochene Fremdsprache ist - was sich im Verlauf der Geschichte allerdings immer wieder ändern kann -, doch genau hier knüpfen die Kritiker an. Dieses Englisch habe nämlich mit der alten europäischen Hochsprache Shakespeares kaum noch zu tun, sondern sei ein schlechtes Amerikanisch und damit das Idiom einer fremden Supermacht. Wenn Europa beschliesse, diese Form des Amerikanischen zum linguistischen Bindeglied seiner politischen Einheit zu machen, höre es auf, Europa zu sein, und werde auch kulturell zum blossen Anhängsel der USA oder gewisser Globalisierungstendenzen.
Le anglese del globalisation, un mal parlate americano, que es tanto divulgate hodie, ha nihil a facer con le lingua alte de Shakespeare e es inapte como unic lingua europee.
Il ha fortias que vole assignar al anglese le function como commun lingua europee. Contra illo sta que le germano e non le anglese es le plus usate lingua materne in le UE, que le grande institutiones del UE trova su domicilios in area lingual francese o mixte germano-francese e que tanto le familia lingual slave como ante toto romance senti il repugnante, se identifica con le anglese. In plus veni que le britones son in le UE geographicamente e etiam politicamente peripheric e on non vole conceder a illes influentia superdimensional, que precisemente lor lingua materne a sol official lingua del UE muta [1]. Certo il dice pro le anglese que illo es le plus parlate lingua estranier usque hodie - que totevia pote se cambiar de novo in le curso del historia -, exactemente a illo refere se le criticos. Iste anglese ha in effecto a pena alicun cosa a facer con le vetule lingua alte de Shakespeare, sed illo es mal americano e con isto illo es le idioma de un superpotentia estranier. Si Europa deciderea a facer iste forma del americano como ligamine linguistic de su unitate politic, illo terminarea a esser Europa e devenirea etiam culturalmente a un sol appendice del SUA o de certe tendentias del globalisation.
[1] General Gustav Hägglund, ex-commandante in chef del fortias de defensa finlandese e ex-presidente del Committee militar del Union Europee (pensionate in 2004), scribe in su memorias "Euroopan puolustus / Le defensa de Europa" que Francia prefere un Europa soveran quando Britannia defende le connexion transatlantic. -- Allan Kiviaho
Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem alle extremen Positionen so sehr im Sackgassen führen wie in der Sprachenfrage. Zumindest auf absehbare Zeit wird Englisch auch in der EU die meistverwendete Fremdsprache bleiben, auch wenn es bis Anfang der neunziger Jahre auf den Fluren der europäischen Institutionen kaum zu hören war: Das hat sich aber mit dem Generationswechsel, mit der Nord- und teilweise auch mit der Osterweiterung geändert. Letztere hat, neben dem Beitritt Österreichs und der Wiedervereinigung, übrigens auch die Rolle des Deutschen erheblich gestärkt. Französisch wird bedeutsam bleiben, nicht nur aus historischen Gründen, sondern weil das Milieu in Brüssel, Luxemburg und Strassburg diese Prägung niemals verlieren wird.
So ist es logisch, dass Französisch, Englisch und Deutsch neben den 17 anderen Amtssprachen, die in den offiziellen Sitzungen simultan gedolmetscht werden, zusätzlich als Arbeitssprachen eine herausgehobene Funktion besitzen [2]. Soll das Deutsche dabei nicht den Anschluss an die anderen beiden verlieren, bedarf es einer aktiven Unterstützung durch deutsche Politiker und deutsche EU-Beamte sowie eines klugen Bundnisses mit dem Französischen [3]. Es war der wie die meisten seiner Landsleute vielsprachige Premierminister von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, der Deutschen und Franzosen geraten hat, jede Sprachrivalität miteinander zu begraben [4], wenn sie in den Arbeitssitzungen nicht der Dominanz des Englischen zum Opfer fallen wollen.
Il ha a pena un campo in qual omne positiones extreme conduce tanto a impasse como le question lingual. Al minus in le futuro visibile le anglese va esser le plus usate lingua estranier etiam in le UE, mesmo si on a pena lo audiva in le corridores del institutiones europee usque al initio del 1990s. Sed il ha se cambiate con le cambiamento del generation e partialmente etiam con le expansion al est.
Le ultime ha, al latere del entrata de Austria e del reunification de Germania considerabilemente reinfortiate le rolo del germano. Le francese va restar significative, non solmente a fundos historic sed etiam proque le milieus in Bruxellas, Luxemburg e Strassbourg nunquam va perder iste characteristica.Assi il es logic, que francese, anglese e germano al latere de 17 altere linguas official, que son simultaneemente interpretate in sessiones official, additionalmente haberea un function levate como lingua del labor [2]. Que le germano in iste connexion non va perder su position in comparation con le ambe alteres, on besonia un active supporto de politicos e functionarios german e etiam un alliato sape con le francese [3]. Il es le prime ministro de Luxemburg, sr. Jean-Claude Juncker, un polyglotte como le majoritate de su compatriotas, qui ha consiliate le germanos e franceses a interrar [4] tote rivalitates lingual inter illes, si illes non vole cader victimas al dominantia del anglese in le sessiones de labor.
Im Plenum des Europaparlamentes, in den Fraktionen und Ausschüssen sowie im Verkehr der EU mit dem einzelnen Bürger muss und wird die Gemeinschaft der Europäer ihre Vielsprachigkeit behalten. Bei 20 und mehr Amtssprachen ist sicher manche Rationalisierung möglich und geboten; doch im Zweifelsfall sollten sich die EU-Institutionen für die sprachliche Vielfalt entscheiden. Die Kosten sind nicht gering, halten sich aber im Rahmen des Erträglichen. Sprache bedeutet Identifikation, und wenn ein Europaabgeordneter nicht mehr in seiner Muttersprache reden kann und von seinen Wählern auf der Parlamentstribüne oder an den Fernsehapparaten nicht mehr verstanden wird, wenn Bürgeranliegen nicht mehr in den gewohnten Amtssprachen bearbeitet werden, dann verliert das ohnehin schon schwierige europäische Einigungswerk jede Verwurzelung.
Sprachenstreit hat Reiche zerstört Sprachenstreit hat Reiche zerstört und Kriege ausgelöst - bis in die Gegenwart. Der Bürgerkrieg in Mazedonien entzündete sich nicht zuletzt die Frage, ob im Parlament in Skopje nur slawomazedonisch oder auch albanisch gesprochen werden dürfe. Jeder Tag Krieg, ja selbst jeder Tag Truppenstationierung dort kostet mehr als jedes noch so komplizierte Übersetzungssystem.
Ausserdem ist die Vielsprachigkeit Europas nicht nur ein geistiger Reichtum, sie schlägt auch finanziell positiv zu Buche. Wer Sprachen kann, kann sich besser in den anderen hinein denken, ist also auch ein besserer Geschäftsmann. Die EU hat es gelernt, über die Iberer den Kontakt nach Südamerika, über Briten und Iren den Kontakt in die englischsprachige sowie über Franzosen, Belgier und Luxemburger Beziehungen zur französischsprachigen Welt zu pflegen. Das Französische bindet Nord- und Westafrika, das Portugiesische nebst einigen afrikanischen Gebieten vor allem das riesige Brasilien, das Spanische alle anderen lateinamerikanischen Länder fest an unseren Kontinent, der dadurch manchem Konkurrenten den Rang abläuft. Ähnliches gilt für die kulturelle Bedeutung des Deutschen im Osten, wobei dies die West europäer keinesfalls vom Erlernen slawischer Sprachen abhalten sollte. Schon Karl IV. hatte die Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches angewiesen, ihre Söhne Tschechisch lernen zu lassen - allerdings nicht mit sehr viel Erfolg.
Hinzu kommt die Welt der Regional- und Minderheitensprachen. Bestünde das Europaparlament und mit ihm die Bevölkerung der EU nur aus den Staatsvölkern der bei der ersten Europawahl von 1979 noch neun und seit dem 1. Mai 2004 nunmehr 25 Mitgliedstaaten, das Bild wäre schon sehr bunt. Doch sassen in Strassburg neben verschiedenen Emigranten und gemischtnationalen Persönlichkeiten auch immer überdurchschnittlich viele Vertreter von Volksgruppen. Unter Volksgruppen versteht man die traditionellen ansässigen Minderheiten, die letzteren Ausdruck ablehnen, weil er oftmals benutzt wird, um sie zu Gemeinschaften minderen Rechts zu stempeln.
Das Europaparlament hat sich in dieser Frage als toleranter erwiesen als andere europäische Institutionen. Von Anfang an war es selbstverständlich, dass etwa der Abgeordnete aus Südtirol ein voll stimmberechtigter italienischer Parlamentarier war, aber als Angehöriger einer deutschsprachigen Volksgruppe seine Dokumente in deutscher Sprache erhielt und im Plenum auf Deutsch sprach. Entsprechendes galt für seinen frankophonen Kollegen aus dem italienischen Aostatal. Schwieriger war es für die Repräsentanten jener kleineren Nationalitäten, deren Sprache in der EU keinen amtlichen Status hatte, also für Basken, Katalanen oder Bretonen. Sie erreichte aber immerhin die Anerkennung als Regional- und Minderheitensprachen, die in den EU-Institutionen zwar nicht offiziell verwendet werden; doch kann man immerhin Eingaben auch auf Baskisch machen, katalanische Broschüren über die EU wurden erstellt, und eine eigene Finanzierung der Minderheitensprachen und -kulturen aus dem EU-Haushalt wurde in die Wege geleitet.
Dies hatte über die praktische Bedeutung hinaus auch eine grundsätzliche Wirkung. Zwar war es wegen des Drucks der streng nationalstaatlichen Kräfte in Frankreich und in einigen anderen Mitgliedstaaten nicht möglich, ein Europäisches Volksgruppen- und Minderheitenrecht nach dem Vorbild des Brünner Nationalitätenprogramms der k.u.k Sozialdemokratie von 1899 oder des Mährischen Ausgleichs von 1905 zu schaffen, doch durch die Zuschüsse für ihr Kulturleben erkannte die EU die Existenz der sprachlichen Minderheiten zumindest de facto an.
Davon profitierte auch das erste slawische Volk, das Teil der EU wurde, nämlich die Sorben, die schon 1990 durch die deutsche Wiedervereinigung in die Europäische Gemeinschaft gelangten. Ihr profilierter Vertreter war der sächsische Europaabgeordnete Stanislaw Tillich, heute Chef der Sächsischen Staatskanzlei. Er gehörte mit den Catalanen Anna Terrón i Cusí und Joan Vallvé, mit dem Südtiroler Michl Ebner und der Keltin Eluned Morgan aus Wales zu jenen Europaabgeordneten, mit denen ich in den letzten zehn Jahren für den Schutz und die Unterstützung der Minderheitensprachen in der EU gearbeitet habe.
Querelas lingual ha destruite imperios
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"Die Union achtet die Vielfalt der Sprachen" 1996 gelang es uns, im offiziellen Forderungskatalog des Europaparlamentes für die EU-Regierungskonferenz eine Passage aufzunehmen, in der es heisst: "Die Europäische Union sollte die Anerkennung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt und den Schutz von traditionellen nationalen Minderheiten und ihren Sprachen seitens der Mitgliedstaaten unterstützen und im Rahmen der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit ausdrücklich die Sprachen und Kulturen der Minderheiten anerkennen, schützen und unterstützen." Leider haben die Mitgliedstaaten in den folgenden Regierungskonferenzen alles getan, um diese Formulierung zu verwässern. Immerhin heisst es in Artikel 22 der EU-Grundrechtecharta: "Die Union achtet die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen." Schon in Artikel 21 wird festgelegt: "Diskriminierungen, insbesondere wegen ... der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, ... sind verboten." Auch im Verfassungsvertrag werden unter den Werten, auf denen die EU sich gründet, Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenrechte, Pluralismus, Toleranz und Nichtdiskriminierung genannt, wobei es im Artikel 3 "Ziele der Union" ganz konkret heisst: "Die Union wahrt den Reichtum ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und sorgt für den Schutz und die Entwicklung des kulturellen Erbes Europas." Dies lässt sich nur als direkter Handlungsauftrag zur aktiven Unterstützung der Volksgruppen und Minderheiten in der Europäischen Union verstehen, der weit über ihre passive Duldung oder auch Respektierung, aber auch über die Forderung nach Nichtdiskriminierung hinausgeht.
Für die Förderung der Volksgruppen und Minderheiten, die ein wesentlicher Bestandteil des europäischen kulturellen Erbes sind, arbeiten nicht nur die für Regional- und Minderheitensprachen zuständigen Beamten der EU-Kommission, sondern auch die Interfraktionelle Arbeitsgruppe für Minderheitensprachen im Europäischen Parlament, als deren Vorsitzender ich jahrelang wirken durfte. Die Präsidentschaft in diesem Gremium rotiert ständig zwischen den Fraktionen des Strassburger Hauses. Wir haben Programme durchgesetzt, um Kinderbücher in weniger gebrauchten Sprachen zu finanzieren, etwa auf Bretonisch, eine Datenbank über Volksgruppenrechte und Regionalsprachen (MERCATOR) geschaffen oder auch darum gesorgt, dass im Vorfeld der EU-Osterweiterung ein Teil des grenzüberschreitenden Regionalprogrammes INTERREG zur Pflege von Regionalsprachen und -kulturen zur Verfügung gestellt wurde. Die berühmte griechische Schlagersängerin und langjährige Europaabgeordnete Nana Mouskouri schaffte es, die Förderung und Sicherung kleinerer Sprachen in den elektronischen Medien zu einem EU-Anliegen zu machen.
"Le Union respecta le multitude de linguas"
Ein wichtiger Durchbruch zur Pflege der sprachlichen Vielfalt in der EU und insbesondere zur Unterstützung der Minderheitensprachen war das Jahr 2001. Auf Initiative des Europaparlamentes hatte es die Kommission zum Europäischen Jahr der Sprachen erklärt. Ursprünglich sollte diese Aktion dazu dienen, dass möglichst viele EU-Bürger möglichst viele Gemeinschaftssprachen lernen. Un irruption importante al mantenentia del multilinguismo in le UE e particularmente al appoio del linguas de minoritate era le anno 2001. Ex initiativo del Parlamento Europee le Commission habeva declarate lo al Anno europee de linguas. Initialmente iste action debeva servir le objecto que tanto multe citatanos del UE, si possibile, vaderea apprender maximalmente plure linguas del communitate.
Multilinguismo como valor proprie non es un politica rational, al minus non ex puncto de vista economic. Specialmente a armea de milliones de specialistas e professionales con education non-academic apprender extra linguas es un carga exorbitante. -- Allan Kiviaho
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"Neue Sprachfamilien durch EU-Erweiterung" Dieser allzu enge Rahmen wurde aber rasch gesprengt. Die EU förderte 2001 92 Projekte in 65 verschiedenen Sprachen, darunter die der Kandidatenländer, Regional- und Minderheitensprachen, aber auch die Gebärdensprache. Fast ein Zehntel der Zuschüsse floss in Projekte, die sich ausschliesslich oder hauptsächlich mit Regional- und Minderheitensprachen befassten. Diese waren aber auch in die Mehrheit der übrigen Aktivitäten mit einbezogen.
Bei dieser Politik fand das Europaparlament in der aus Luxemburg stammenden, vielsprachigen EU - Kulturkommissarin Viviane Reding einen verständnisvollen Partner. Im Jahr 2003 legte die Kommission ihren Aktionsplan zur Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt für den Zeitraum 2004 bis 2006 vor. Darin heisst es:
"Die Förderung der Sprachenvielfalt beinhaltet, dass in unseren Schulen, Hochschulen, Erwachsenenbildungszentren und Unternehmen der Unterricht und das Erlernen einer möglichst breiten Palette von Fremdsprachen aktiv gefördert werden. Insgesamt sollte das Angebot ebenso die kleineren europäischen Sprachen wie auch die grösseren Sprachen, Regional-, Minderheiten- und Migrantensprachen sowie Landessprachen und die Sprachen unserer wichtigsten Handelspartner in der ganzen Welt umfassen.
Die bevorstehende Erweiterung der Europäischen Union wird auch die Erweiterung um eine Vielzahl von Sprachen aus mehreren Sprachfamilien mit sich bringen; es bedarf besonderer Anstrengungen, um sicherzustellen, dass die Sprachen der neuen Mitgliedstaaten in anderen Ländern umfassender erlernt werden. Die Mitgliedstaaten können bei der Förderung des Unterrichts und des Erlernens einer breiteren Sprachenpalette durchaus mit gutem Beispiel vorangehen."
Ende letzten Jahres verabschiedeten Rat, Kommission und Europaparlament ausserdem ein Aktionsprogramm zur Unterstützung europaweit tätiger kultureller Einrichtungen, das unter anderem die Finanzierung des Europäischen Büros für Sprachminderheiten für mehrere Jahre sicherstellt.
Dies alles darf jetzt nach der grössten Erweiterung in der Geschichte der EU nicht abgeschafft oder auch nur ausgedünnt werden. Grundlage der Sprachenpolitik, sofern sie Volksgruppen und Minderheiten betrifft, ist in der erweiterten EU ein Bericht des Südtiroler Paneuropäers Michl Ebner, den das Europaparlament mit breiter Mehrheit beschlossen hat. Dies hat nicht nur kulturelle Bedeutung, sondern ist auch entscheidend für Frieden und Stabilität auf dem ganzen europäischen Kontinent.
Der Südtiroler Wissenschaftler Prof. Christoph Pan hat eine Studie vorgelegt, die sich nicht auf die EU beschränkt, sondern auch das grössere Europa des Europarates im Auge hat. Zwischen Atlantik und Ural gibt es etwa 70 Sprachen, aber nur 36 Staaten, von denen sich 31 als Nationalstaaten und nur 5 als Vielvölkerstaaten definieren. (In dieser Statistik sind die Klein- und Zwergstaaten nicht erfasst.) 24 von den untersuchten 36 Staaten gehören mit diesem Jahr der EU an. Zählt man die Angehörigen der nationalen Minderheiten in der Fünfundzwanzigergemeinschaft zusammen, so bilden sie bevölkerungsmässig nach Deutschland, aber noch vor Frankreich den zweitstärksten "Mitgliedstaat". Fast alle europäischen Sprachen einschliesslich der meisten der privilegierten Nationalsprachen (31 von 70) befinden sich in einer mehrfachen Minderheitensituation, zum Beispiel Deutsch mehr als ein Dutzendmal, Russisch mindestens neunmal, Ungarisch siebenmal, Polnisch und Rumänisch je sechsmal etc..
"Nove familias de linguas per allargamento del UE"
"Mörtel oder Sprengstoff am Fundament Europas" Professor Pan verweist in seiner Studie mit Recht darauf, dass es bei diesem Thema nicht in erster Linie um Sprachen und Kulturen geht, sondern um die Menschen als deren Träger. Sie dürfen in ihren elementaren Rechten und Bedürfnissen nicht beeinträchtigt werden, denn Volksgruppen und Minderheiten können sowohl qualitativ als auch quantitativ zum Sprengstoff an den Fundamenten Europas oder zum Mörtel werden, der das europäische Haus zusammenhält. Vorbildlich ist hier die Einstellung des neuen kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader. Er hat zu Silvester 2003/04 mit der italienischen Volksgruppe seines Landes in Istrien gefeiert und eine Neujahrsrede in fliessendem Italienisch an diese Mitbürger gehalten. Am 6. Januar, dem Weihnachtsfest der Orthodoxen Christen, besuchte er mit seiner Frau den Gottesdienst der Zagreber Serben und sprach einige Worte in Altkirchenslawisch. Einen Kernsatz wiederholte er bei beiden Gelegenheiten, der zum Leitmotto der europäischen Politik werden sollte: "Minderheiten sind kein Problem, sondern eine Bereicherung."
"Mortero o materia explosive a fundamentos de Europa"
Io e mi sposa visitava Budapest in 1987. In nostre hotel "Olympia" resideva un gruppo de estonianos. Nos non poteva previder que post alicun annos nos omne paises fennougric esserea libere. In Budapest nos comprava iste pictura de Sándor Petöfi, ===> ![]()
que appendeva durante multe annos al pariete apud le lecto de nostre filia. -- Allan Kiviaho
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Professor Walter Brandmüller, Präsident des Päpstlichen Komitees für die historischen Wissenschaften
Übernational und überzeitlich: Latein für Europa
Supranational e supratemporal : Latino pro Europa
Paneuropa Deutschland 27(2004)2, p. 9-10
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Ruinas tacite o historia parlante: Sin cognoscentia fundamental del latino le cultura europee aperi solmente fragmentarimente.
THEMA DEL TITULO
SUPRANATIONAL E SUPRATEMPORAL:Latino pro Europa
Professor Walter Brandmüller
Caesar sprach es, ebenso wie Cicero, Seneca und jeder römische Legionär. Durch viele Jahrhunderte waren die grossen Rechtssammlungen des Abendlandes, unzählige Inschriften an öffentlichen Gebäuden und die Liturgietexte der Kirche in der Sprache des Römischen Reiches abgefasst: Latein. Professor Walter Brandmüller, Präsident des Päpstlichen Komitees für die historischen Wissenschaften, stellt die Frage, was die ehemalige Verkehrssprache Europas für die moderne Europäische Union von heute bedeuten könnte.
Caesar parlava lo assi como Cicero, Seneca e cata legionario roman. Per multe seculos era le grande collectiones de leges in occidente, innumerabile inscriptiones a edificios public e textos de liturgia del ecclesia scripte in le lingua del Imperio Roman: Latino. Sin cognoscentia fundamental del latino le cultura europee aperi solmente fragmentarimente. Professor Walter Brandmüller, presidente del Committee Papal pro scientias historic, presenta le question, que pote le ancian lingua de communication de Europa significar pro le hodierne Union Europee moderne.
[1] Probabilemente si! Sed interlingua, latino moderne, es un solution realistic, mesmo optimal. Interlingua era create in 1924-51 como resultato de cooperation de linguistas europee e american sub IALA - International Auxiliary Language Association.
Eine Zukunftsvision: Einige Studenten stehen in Rom auf der Strasse. Ihr Blick fällt auf einen Kanaldeckel, auf dem sie die Buchstaben SPQR erkennen. Einer fragt: Wie heisst diese Herstellerfirma? Oder: Ein Pfarrer besichtigt mit seinen Leuten den Münchener Marienplatz, wo sie auf dem Sockel der Patrona Bavariae Jakob Baldes Zeilen lesen: Rem, regem, regimen... Die Leute fragen: Herr Pfarrer, was heisst das? Und - Hochwürden verstummt! Soll eine solche Horrorvision Wirklichkeit werden? Sollen unsere Enkel vor den Monumenten einer dreitausendjährigen Kultur ebenso ratlos stehen wie ein Durchschnittseuropäer vor den Hieroglyphen ägyptischer Obelisken oder vor Sanskrit-Texten?
Keine Frage: Wenn der gegenwärtige Trend anhalten sollte, werden die Kenntnisse des Lateinischen und gar des Griechischen bald auf einen ebenso esoterischen Kreis begrenzt sein, wie jene der Hieroglyphen und des Sanskrit.
Latein und Griechisch als Orchideenfächer an unseren Universitäten? An jenen Universitäten, an denen einst die Protagonisten der klassischen Philologie lehrten? Das wäre in der Tat nichts weniger als der Bruch mit einer dreitausendjährigen Kulturüberlieferung. Das heisst aber auch, dass die gesamte geisteswissenschaftliche Forschung einschliesslich der Neuphilologie, deren Vertreter sich nicht selten als besondere Gegner des Lateinischen und Griechischen profilieren, am Ende wäre.
Wenn in Zukunft in diesen Fächern nur noch mit Übersetzungen aus den lateinischen oder griechischen Originalquellen gearbeitet werden könnte - und das ist weithin längst der Fall - dürfte redlicherweise der Anspruch auf Wissenschaftlichteit nicht mehr erhoben werden. Cognitio ex causis - so definierte man einmal "Wissenschaft": "einer Sache auf den Grund gehen" -, das wäre nicht mehr möglich, wenn man sich damit begnügte, aus zweiter oder dritter Hand zu empfangen.
Hinzu kommt eine unbestreitbare historische Tatsache: Jede grosse Bildungsbewegung, jeder kulturelle Aufbruch der abendländischen Vergangenheit ist von einem schöpferischen Rückgriff auf das geistige Erbe der klassischen christlichen Antike ausgegangen. Wenn wir aus der gegenwärtigen Krise der europäischen Identität einen Ausweg finden wollen, dann führt dieser nur über eine neue kreative Bejahung unserer kulturellen Herkunft. Jede Verleugnung ihrer Herkunft stürzt die Gesellschaft wie das Individuum in eine Identitätskrise.
Aber sprechen wir auch von ganz pragmatischen Aspekten. Das gründliche Erlernen der klassischen Sprachen hat einen kaum zu überschätzenden Effekt: Wer einmal die lateinische Grammatik in sich aufgenommen hat, hat damit ein durch nichts adäquat zu ersetzendes Instrument zum Verständnis von Texten und zur Beherrschung der Sprache erworben. Die lateinische Grammatik vermittelt, ohne dass davon lang die Rede wäre, die Elemente der Logik. Eben dieser Effekt garantierte bislang die Studierfähigkeit, und zwar für alle universitären Disziplinen; er ermöglichte auch die Klarheit und Eleganz des Ausdrucks in der Muttersprache. Das Ergebnis der Pisa-Studie, das den deutschen Schülern mangelnde Fähigkeit zur Erfassung von Texten bzw. deren Aussage bescheinigt, war die unausweichliche Folge des Mangels an lateinischer Grammatik. Sollte wirklich jemand glauben, dass die englische sie ersetzen könnte? Wer in den letzten Jahrzehnten universitäre Examens arbeiten zu korrigieren hatte, wurde ständig mit den schlimmen Folgen der gegenwärtigen "Lateindämmerung" (FAZ 20.März 2004) konfrontiert.
Solide Latein- und Griechischkenntnisse garantieren in der Tat Verstandes- und Sprachkultur. Ein Weiteres sei nicht vergessen: Vertrautheit mit Sprache und Literatur der klassischen und christlichen Antike vermag für das zusammenwachsende Europa eine allen europäischen Völkern gemeinsame Bildungsgrundlage zu schaffen. Welch eine Voraussetzung für jeden intellektuellen Diskurs!
Und: Wer je Sallusts " Coniuratio Catilinae" und Ciceros "Catilinarische Reden" gelesen hat, der hat sozialkundlichen Unterricht auf hohem Niveau genossen. Wer Tacitus " Annalen" kennt, der weiss, was Gesellschafts- bzw. Kulturkritik ist. Reden wir erst gar nicht von dem, was Senecas Schriften oder gar Platons Apologie des Sokrates an ethischen Massstäben zu vermitteIn vermögen! Zu einer wirklich fruchtbaren Lektüre all dieser Werke aber können Übersetzungen nicht genügen. Auch nicht im Gymnasium. Es gilt: Ad fontes! Das war die Maxime einer der bedeutendsten Bildungsbewegungen der Geschichte, des Humanismus der Renaissance.
Nun wird heute von besonders engagierten Humanisten über das hier schon Gesagte hinaus sogar die Forderung erhoben, das Lateinische zur europäischen Amtssprache zu machen: Wieviel Geld für Übersetzungen könnte da gespart werden! Mit Realitätssinn hat dergleichen freilich wenig zu tun. Dennoch wäre Latein als zeremonielle Sprache für Urkunden etc. oder eine künftige europäische Hymne nicht fehl am Platze. In diesem Zusammenhang ist auch die katholische Kirche zu fragen, welche Bedeutung sie dem angestammten Latein in Zukunft zuzubilligen bereit ist. Die offiziellen Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils lassen daran zwar keinen Zweifel: Das Latein ist die Sprache der westlichen Kirche, seine Kenntnis wird von den Studenten der Theologie gefordert, die lateinische Liturgie und Kirchengesang sind zu pflegen, die Gläubigen sollen die gängigen lateinischen Texte und Gesänge kennen. Wie aber sieht es in der Praxis aus? Hier hat die Landessprache das Latein weithin verdrängt, wobei die Übersetzungen den Forderungen sakraler Sprache selten entsprechen, meist ist Banalität des Ausdrucks zu beklagen.
Das Latein hingegen hätte den grossen Vorteil, ein völkerverbindendes Element darzustellen. In einer Zeit, da die Gottesdienstgemeinden, in den Städten mehr als auf dem Lande, mehrsprachiger werden, kommt dem gemeinsamen Latein wachsende Bedeutung zu. In Grenzregionen, wo verschiedene Sprachen einander überlagern, wie in Oberschlesien (Polnisch-Deutsch), in Kärnten (Slowenisch-Deutsch), in Ungarn (Slowakisch-Ungarisch) etc., könnten nationale, ethnische Konflikte entschärft werden, wenn einzelnen Gruppen von Gottesdienstteilnehmern nicht die Sprache einer anderen aufgezwungen würde.
Der gelegentlich beschrittene Ausweg, die Messtexte abwechselnd in verschiedenen Sprachen zu sprechen - wäre das nicht ein Rückfall in die babylonische Sprachverwirrung? Eine übernationale und überzeitliche Sprache wie das Latein ist hingegen geeignet, Gemeinschaft auszudrücken, jedem das Bewusstsein zu vermitteln, in der Kirche zu Hause zu sein, im Strom einer zweitausendjährigen Kontinuität zu stehen.
Kurzum - es gibt genug Gründe, den Kindern solide Lateinkenntnisse zu vermitteln. Notwendig wäre nur eine moderne Didaktik, die den Lateinunterricht zwar nicht gerade zu Spassstunde, wohl aber attraktiv zu gestalten vermöchte. Ansatzweise sind bereits Schritte in diese Richtung unternommen worden: Harry Potter, Asterix und Max und Moritz etwa liegen in lateinischer Übersetzung vor und ersetzen in manchen Schulen bereits die Lektüre von "Caesars De bello gallico", mit dem Generationen von Schülern der Lateinunterricht vergrault wurde.
Manchmal mag man den Eindruck gewinnen, Abneigung, ja Hass gegen das Latein sei eine späte Rache an der Schule. Hiergegen hilft freilich nur die Psychotherapie.
Le ingagiate humanistas demanda que le latino debe esser facte al lingua de bureaucratia europee: Quanto moneta on poterea sparniar! Ver, isto ha poco a facer con senso del realitates [1]. Nonobstante latino non esserea inconvenibile como lingua ceremonial in documentos etc. o illo del futur hymno europee [2] .
Nota ben que le ultime presidente del IALA era durante su phase decisive in 1940-50 Stephen P. Duggan, in 1925 le presidente del American Cooperative Committee of the Pan-European Union (de novo active in 1940 quando conte Coudenhove-Kalergi veniva al Statos Unite como refugiato - chassate per Gestapo). Vide www.interlingua.fi/iafiup.htm e clicca illac le pictura de Duggan. Durante le secunde guerra mundial in le Statos Unite era etiam archiduce Otto von Habsburg, presidente del Union Paneuropee usque decembre 2004 - qui etiam era al summitate del lista de Gestapo de personas qui deberea esser assassinate quando attrappate - e Hjalmar J. Procopé, ambassador finlandese in le Statos Unite durante le guerra, bon amico de Coudenhove-Calergi desde de periodo quando Procopé era presidente del conferentia general del Liga de Nationes in Geneva. In 1930 Procopé fundava le Union Paneuropee Finlandese. In 2002 era publicate in Turku un edition facsimile del libro finnese "Paneurooppa" de 1930, que contineva un extra capitulo de Coudenhove-Kalergi. Otto von Habsburg scribeva un capitulo special al edition facsimile e pronunciava un discurso in le bibliotheca municipal de Turku (ille mentionava que ille habeva incontrate Hjalmar Procopé in le Statos Unite durante le guerra) e in le Universitate de Turku. Otto von Habsburg era promovite a doctor h.c. del Universitate de Turku in 1995, como professor André Martinet, un linguista de fama mundial, in 1970. Prof. Martinet era le penultime director del recerca del IALA e un membro distinguite del UMI - Union Mundial pro Interlingua. La vidua de prof. Martinet, dr. Jeanne Martinet es la presidente del UIF - Union Interlinguiste Francese.
[2] Versiones del hymno europee in interlingua, vide http://www.interlingua.fi/upeu/freude.htm
Charles Delamare, Französischer Publizist
Menschlichkeit und Weisheit: Die neue Kultur des alten Europa
Humanitate e sagessa: Le cultura nove del Europa vetule
Paneuropa Deutschland 27(2004)2, p. 11-13
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CULTURA EUROPEE
HUMANITATE E SAGESSA:Le cultura nove del Europa vetule
Charles Delamare
"Mein Sohn, ein Land von nur einer Sprache und einer Sitte ist ein zerbrechliches und dummes Ding."
Der Heilige Stephan, König von Ungarn, an seinen Erben, den heiligen Emmerich
"Mi filio, un pais con solmente un lingua e un mores es un cosa fragile e stupide."
Le Sancte Stephan, rege de Hungaria, a su hereditario, le Sancte Emmerich
In 1987 io e mi sposa attendeva in Budapest al Theatro del Urbe a opera rock "Isztvan Kiraly" (Rege Stephan, le prime rege christian de Hungaria), un spectaculo splendidissime. Al fin le tonos "rockesc" del orchestra gradualmente transmutava se al melodia del hymno national de Hungaria con un demonstration enthusiastic del publico contra le regime communista.Ante le ecclesia famose, le Cathedral de Stephan, nos incontrava le sacristano del cathedral, un viro de multo grande statura, vestite in un grande sed discolorate pellicia (le tempiere era bastante frigide) de un pastor ex le puszta. Ille habeva visitate Finlandia e poterea parlar un poco finnese (sed nos parlava germano). Ille exhortava nos a attender al missa le sequente die, que nos faceva. Le ecclesia era plen de gente sed nos nos demandava proque on non usava le organo sed le musica era execute per un parve orchestra de camera. Nos pensava que forsan le organo era sub reparation. Al fin del missa nos comprendeva: Le organo comenciava jocar le hymno national de Hungaria, al comencio con volumine basse que crescava a crescendo magnific. De novo un forte demonstration politic. Nos non poteva suspectar que post alicun annos le tyrannia del communismo collapsava in le est del Europa central, incluse nostre paises fratres fennougric, Estonia e Hungaria.
Le patre del archiduce Otto von Habsburg era le ultime rege de Hungaria e su filia, archiduchessa e contessa Walburga von Habsburg/Douglas jocava un parte importante in le collapso del communismo in Germania del est in le famose Picnic paneuropee, Sopron, Hungaria 1989.
-- Allan Kiviaho
Charles Delamare:
Die neue Kultur des alten EuropaDie Kultur einer menschlichen Gruppe, sei diese gross oder eng umrissen, resultiert aus den nach langem Reifen zusammengetragenen Erfahrungen, die diese Gruppe im Lauf der Zeit gemacht hat, im Lauf ihrer Geschichte, wie man sagt. Diese oft schmerzlichen und immer von Machtkämpfen geprägten Erfahrungen werden der Jugend in vorfabrizierten Lehren durch die vielfältigsten Unterrichtssysteme überliefert, etwa durch die Familie, den Clan, den Staat, durch Laizismus, durch Religion, durch die Medien oder durch Initiation.
Für das Bestehen einer europäischen Kultur hätte sich bereits seit Jahrhunderten eine europäische Gesellschaft etablieren müssen, die Problemen begegnet, die alle seine Bürger kennen. Natürlich kann man behaupten, das Christentum habe einstmals diese Rolle eingenommen. 15 Jahrhundertelang hat es den gesamten Kontinent so tief geformt, dass sich dieser, wenn er zu seiner Vereinigung tendiert, mehr oder weniger vage darauf bezieht. Aber man hat anlässlich einer jüngst geführten Debatte gesehen, dass einige Leute, besonders auf französischer Seite, selbst die schlichte Anerkennung einer solchen Tatsache mit Empörung zurückweisen. Für Voreingenommene ist die Tatsache um so widerlicher, als sie historisch ist! Anstatt die Wirklichkeit zu leugnen, hätten unsere unbeugsamen Laizisten einfach den Unterschied zwischen Religion und Kultur unterstreichen können, der schon von Natur aus besteht. Letztere bleibt mit den Füssen auf dem Boden und versucht, die alltäglichen Probleme zu lösen. Erstere zielt darauf, ihre Gläubigen zum Himmel zu führen, indem sie sie lehrt, sich von den Dingen dieser Welt abzuwenden.
Charles Delamare:
Le cultura nove del Europa vetule
Unter der Decke des Christentums lebten die barbarischen Sitten fort, die dem praktischen Leben angepasst waren. Ab dem 16. Jahrhundert tauchten sie zuerst in den verschiedenen Sprachen kraftvoll wieder auf, dann kamen sie mit den nationalen Staatsgebilden vollends ans Tageslicht. Wie Jean-Marie Domenach geschrieben hat, "gibt es keine europäische Kultur. Es gibt eine kulturelle Bühne, auf der die grossen Nationen Europas nacheinander und einige Male gemeinsam gesprochen haben." Warum sollte sich diese vereinigende Kultur von der unterscheiden, die aus den Vereinigten Staaten stammt? Doch als der Krieg im Irak immer wahrscheinlicher wurde, haben es sich herausragende Vertreter der Führungskreise der Vereinigten Staaten nicht verkneifen können, ihre Auffassung der Welt derjenigen eines gealterten Europa entgegenzusetzen, wobei das Merkmal des Alters für sie weder die Vorzüge noch das Ansehen hat, die man seit Homer damit verbindet!
Sub tecto del christianitate continuava le mores barbaric a viver, adjustate al vita practic. Desde le 16e seculo illos surgeva de novo, primo in le varie linguas, postea illos veniva in le statos national completemente al luce del die. Como Jean-Marie Domenach ha dicte, "il ha nulle cultura europee. Il ha un estrade cultural, a que le grande nationes de Europa ha parlate, le un post le altere, alicun vices in commun."
Quare deberea iste cultura unificante se differentiar de illo, que descende ex le Statos Unite? Tamen quando le guerra in Iraq deveniva plus e plus probabile, distincte representantes del circulo regente del Statos Unite non ha potite desister de poner lor conception del mundo contra illo del Europa vetule, in le qual le characteristica del etate a illes ha ni le avantages ni le prestigio, que on desde Homeros associa con illo!
Diese Scheidung hat etwas Gutes. Sie bringt deutlich den Unterschied der Situation zwischen Amerika und Europa hervor. Europa unterscheidet sich von seiner grossen Tochter mehr und mehr durch zwei Merkmale, die es dazu drängen werden, den Schwierigkeiten, die aus ihnen erwachsen, mit eigenen Kräften zu begegnen. Es wird somit gezwungen sein, eine Kultur zu erarbeiten, die original und neu und deswegen klar umrissen sein wird. Welche Merkmale werden das sein? Europa wird zwei Probleme zu lösen haben: die Spaltung der Sprachen und die demographische Schwächung. Diese Begriffe spiegeln zwei Hauptzwänge wieder, die auf dem europäischen Kontinent in Bälde hoffentlich mutige Massnahrnen hervorrufen werden, durch die sich dieser irmmer deutlicher von Amerika, aber auch von den Kulturen Asiens oder Afrika unterscheiden wird. Kultur, das sind nämlich Scherereien, die zu Kopf steigen. Vielfältige Widrigkeiten rufen Massnahmen hervor, die sich zu Widerstandsrezepten verfestigen. Diese überliefert man sich von Generation zu Generation. Sie betreffen nicht nur Schöngeistiges oder gute Musik, sondern auch die Kodifizierung der sozialen Beziehungen, die Organisation der Armee, die Steuerung der Wirtschaft und noch viele andere Seins- und Handlungsweisen. Deren Ausgangspunkt findet sich nicht in einer Offenbarung des reinen Geistes, sondern in den langsam theoretisierten Antworten auf konkrete Situationen, mit denen eine menschliche Gruppe schmerzlich konfrontiert ist. Die Kultur steigt aus dem Boden, wie die Landwirtschaft. Sie fällt nicht vom Himmel wie die Religion, die der Erzengel Gabriel oder ein anderer Bote von oben bringt.
Wegen dieser Notwendigkeit hat die Europäische Union zu Beginn dieses 21. Jahrhunderts gute Aussichten, sich eine eigene Kultur zu bilden.
Der erste der Schicksalsschläge der Union verfolgt die Menschheit seit der Geschichte vom Turm zu Babel. Die Vielfalt der Sprachen zieht ein Unverständnis zwischen den Hirnen nach sich, die über den jeweiligen Mundwerkzeug angebracht sind. Amerika oder China haben nicht unter diesem Handicap zu leiden. Beide machen sich über das lustig, was sie immer mehr als unser Kauderwelsch betrachten. Zum ersten Mal in der Geschichte erhebt ein menschliches Ensemble von beinahe 500 Millionen Einwohnern, die auf 25fach verschiedene Weise sprechen, den Anspruch, eine zusammenhängende politische Einheit zu bilden. Bislang war nur Österreich-Ungarn dieses Wagnis eingegangen. Heute schlägt sich nur Indien mit vergleichbaren Widersprüchen herum.
Wir wären nicht die würdigen Söhne dieses Kontinents, wenn wir nicht dächten, dass dieses Haupthindernis überwunden werden könnte. Um die Wahrheit zu sagen, haben wir uns seit der Erklärung Robert Schumans im Mai 1950 nur allzuwenig darum gesorgt. Damals waren die Dringlichkeiten der wirtschaftliche Wiederaufbau und die sowjetische Bedrohung. Heute lässt die Ausweitung des damaligen Unternehmens auf die ehemaligen Volksdemokratien ein Problem wieder auftauchen, das zur Seite geschoben worden war - nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Schrecken des letzten Krieges scheinbar den unwiderleglichen Beweis dafür erbracht hatten, dass die Nationalismen, die vor dem Säbelrasseln aus dem Klappern der Sprachen entstanden waren, verachtenswert sind und verachtet werden mussten. Im Lauf der Jahre zeigte sich, dass die Dinge nicht so einfach sind und dass ein Individuum seiner Sprache zu berauben dem Herausreissen von Stücken seines Fleisches gleichkommt. Der Mensch ist ein sprechendes Wesen, bevor er ein denkendes ist. Indem man akzeptierte, dass sich Europa aus Nationen bildete, war es nicht zu vermeiden, dass es sich aus Sprachen bildete. Die Berücksichtigung dieser Tatsache hat in Brüssel das grösste Übersetzerheer aller Zeiten geschaffen. Nach der EU-Erweiterung wird man alle Texte der Gemeinschaft sorgfä1tig vom Lettischen ins Portugiesische, vom Slowenischen ins Finnische usw. übertragen müssen. Für den, der englisch, französisch oder deutsch spricht, ist es ein wenig lächerlich. Nichtsdestotrotz ist das unumgänglich, um die Gleichheit zwischen den Völkern zu gewährleisten und zu verhindem, dass die eine oder andere ethnische Gruppe Ressentiments hegt. Das ist gar nicht so teuer: 4 bis 5 Prozent des Budgets der Brüsseler Kommission, das wiederum geringer ist als das der Stadt Paris.
Aber das ist noch nicht alles. Diese automatische Demonstration des Rechts einer jeden Gruppe macht deutlich, dass sie allen Unschätzbaren kulturellen Wert besitzt, der auf den der anderen nicht zurückzuführen ist. Es handelt sich hierbei nicht um Toleranz (oder einenen Irrtum) seitens der Brüsseler Köche, die gezwungen sind, diese sprachlichen Klumpen im gemeinschaftlichen Püree zu belassen. Diese Originalität gehört konstitutiv zum europäischen Projekt. Sie führt dazu, sehr viel weiter zu gehen und aus der Notwendigkeit nicht allen Grund nur für die Vernunft, sondern auch für das Herz und das Gefühl zu machen. In der Konsequenz wird die neue Kultur durch drei Errungenschaften geprägt sein: den ewigen Frieden, das Privileg der Besonderheit, die Demokratie des Denkens.
Die Bedingungen des ewigen Friedens sind von Immanuel Kant vollständig beschrieben worden. Der zweite Abschnitt seines diesbezüglichen Traktats scheint nicht umsonst: "Das Völkerrecht soll auf einen Föderalismus freier Staaten gegründet sein". In Europa sind wir - mit ein wenig Verspätung in bezug auf die Vereinigten Staaten von Amerika - auf diesem Stand. Allerdings sind wir auf unserem Kontinent nach einer Reihe von Kriegen untereinander zu diesem Ergebnis gekommen, während in der Neuen Welt die Einheit gleich durch den gegen eine Fremdherrschaft geführten Krieg besiegelt wurde. Der ewige Friede unter uns ist um so spezifischer, um so verdienstvoller und um so wertvoller. Sein aussergewöhnlicher Charakter verdient ständige Betonung. Er stellt den Ordnungsruf dar, der all diejenigen zur Vernunft zurückfuhrt, die anlässlich einer Diskussion über dieses oder jenes Ereignis, über diese oder jene budgetäre Ausgabe versucht sind, ihr Abweichen bis zum Konflikt gedeihen zu lassen, bis zum Schmollen, bis zum Zerfall der Gemeinschaft. Andererseits wird das Einreihen in die Monotonie mit ebenso viel Entschlossenheit durch die Kultur der Besonderheit bekämpft. Woher diese auch stammt, sie verdient wohl, anerkannt, geschätzt und sogar gepriesen zu werden. Im Unterschied zum "American Way of Life", dessen Uniformität die Gabe besitzt, alle menschlichen Elemente zu assimilieren, die aus der Immigration stammen, gefällt sich die Europäische Union in Vielfalt. Das Subsidiaritätsprinzip, das Otto von Habsburg, der Präsident der Paneuropa-Union, wieder ans Tageslicht gebracht hat, liefert diesem Willen eine rechtliche Struktur: vereint zu sein und doch jeweils Originale zu bleiben, die einer besonderen Geschichte verbunden und Erben ihrer eigenen Werte sind.
So wird sich diese Demokratie des Denkens entwickeln, dank der Europa seinem Register eine neue Verfeinerung der Zivilisation hinzufugen wird. Die Rechtsdemokratie hat sich nach der Französischen Revolution gebildet und sich im Lauf der politischen Kämpfe des 19. und 20. Jahrhunderts verfeinert. Die materielle Demokratie ist gleichzeitig unter dem Einfluss des Marxismus, der sozialistischen Bewegungen und der Christdemokraten fortgeschritten. Es bleibt noch, die Demokratie des Denkens einzurichten. Ist sie nicht schon seit langem im liberalen Projekt enthalten? Nicht wirklich, denn die Vielfalt der Sprachen innerhalb der Europäischen Union zwingt seine Bürger dazu, dem Ausdruck der Besonderheiten stets wohlwollend zu begegnen. Weit über die Ebene der blossen Meinungsfreiheit gelegen, wird diese neue Haltung nicht leicht in unsere Sitten dringen. Uns ist fast völlig unbewusst, was für Deformationen chauvinistische Vorurteile in unser Hirn eingraviert haben. Es sei denn, wir selbst werden im Ausland zu deren entrüsteten Opfern! Es ist nicht angenehm, sich im Spiegel der Nationalismen der anderen zu betrachten. In Zukunft werden wir die "nationale Aberziehung" praktizieren müssen. Es geht darum, den Gemeinplatz zu verlassen, um ein gemeinsames Schicksal in Angriff zu nehmen. Und auch darin werden wir uns von den Bürgern der anderen Blocks unterscheiden, für die eine solche Anstrengung überflüssig, ja selbst verwerflich wäre.
Der zweite Zwang, der die neue Kultur formen wird, hat seine Quelle in der Demographie. Er wird uns dazu führen, aus der Mässigung eine Tugend zu machen. "Der gesamte alte Kontinent geht in der Welt zurück: 22 Prozent der Weltbevölkerung im Jahre 1950, 12 Prozent heute, 6,5 Prozent im Jahre 2050", schreibt Jean Boissonnat. Er präzisiert, dass dieser demographische Rückgang praktisch nur unseren Kontinent berührt. Selbst Amerika ist trotz seines Lebensstandards des raschen Wachstums seiner Bevölkerung auf ein Jahrhundert hin versichert. Viele Studien beweisen, dass nicht nur die Anzahl der anderen wächst, sondern dass - in absoluten Zahlen - die Europäer nach einer Phase beschleunigter Alterung weniger werden. Schon klagen unsere Analysten! Schon beschreiben unsere Pessimisten die entsetzlichen Folgen dieser unausweichlichen Entwicklung! So wird Europa, das die anderen Kontinente mit seiner vom technischen Vorsprung verursachten menschlichen Flut überschwemmt hatte, den Gegenstrom der ehemaligen Bevölkerungsreservoirs erleiden. Hierbei muss man bemerken, dass stets nur vom Quantitativen die Rede ist. Auf dieser Ebene kann die Europäische Union keinen GegenstoB führen. Es ist zu spät! Im übrigen wäre das vermutlich nicht wünschenswert gewesen. Es ist sicherlich richtig, die Familie und die Geburtenrate zu fördern, um keinen zu brutalen Riss zwischen der Gegenwart und der Zukunft zu verursachen. Aber es wäre kindisch, sich eine Umkehr der demographischen Tendenz vorzustellen, die unserem Kontinent die vitale Dynamik zurückverliehe, aus der er im 19. Jahrhundert ausserordentlichen Vorteil zog, indem er die ganze Welt kolonisierte.
Die neue Kultur wird die einzig mögliche Antwort hervorbringen, die man diesem Problem geben kann, damit es nicht zu einer Bedrohung wird: die der Qualität. Sie wird auf zwei Ebenen gegeben werden: auf der Ebene der Wissenschaft und der der persönlichen und kollektiven Harmonie.
Zum ersten Punkt muss man in Erinnerung rufen, dass die Intelligenz und besonders die wissenschaftliche Forschung die Hauptwaffe unseres kleinen Kontinents darstellt. Sie hängt nicht von der Jugendlichkeit ihrer Akteure ab. Im gegenwärtigen System der Berufslaufbahnen und der Renten ist die Sterilisierung der Geister und der Initiativen nach sechzig Jahren nicht nur finanziell ruinös; weitaus ruinöser das noch bezüglich der Forschung und der intellektuellen Entwicklung. Auch hier wird die Europäische Union aus Notwendigkeit gezwungen sein, einen intellektuellen und sozialen Sprung zu tun.
Die Europäische Union hat sich um den Preis einer tiefreichenden Änderung der Mentalitäten gebildet. Diese hat die Errichtung des ewigen Friedens ermöglicht, diese wird sich, vor neue Herausforderungen gestellt, die Suche nach Harmonie zum Ziel setzen. Im Unterschied zu vielen Kulturen, die vom Willen zur Expansion beseelt sind, wie die ehemaligen europäischen Nationen, die islamische Kultur oder das heutige amerikanische Reich, wird die neue Kultur den unausweichlichen demographischen Niedergang intellektuell sublimieren. Sie wird daraus eine Bedingung für Harmonie machen, die sie in der Weise der alten Griechen verfolgen wird, als Ideal der wahren Menschlichkeit. "Nicht zuviel davon", wird sie angesichts der Menschenmengen Indiens oder angesichts der globalistischen Ansprüche der Amerikaner sagen. Die Weisheit, die traditionell den Alten zugesprochen wird, hat es - nach den wahnwitzigen Unterfangen, die auf Initiative des Abendlands die letzten Jahrhunderte durchzogen haben - dringend nötig, aufgewertet zu werden. Für die Entwicklung der politischen Verhaltensweisen ist es bezeichnend, dass die Europäische Union kein Territorium beansprucht. Sie trachtet nicht nach Vergrösserung wie bislang alle Mächte und Herrschaften. Norwegen wollte nicht in die Union hinein? Dann eben nicht, schade um die schöne Mitgift an Erdöl, die es in die Union eingebracht hätte! So verhält es sich auch bei jedem neuen oder ehemaligen Mitglied.
"Kultur der Alten, Kultur der Dekadenz" - das werden diejenigen ausrufen, die unfähig sind, ihr Schieksal und das ihres Volkes auf einer anderen Flugbahn einzuzeichnen als dem Wettlauf um stetes Wachstum an Menschen, Territorien, Reichtümern, Macht, Ausstrahlung und Konflikten.
Die neue europäische Kultur wird den Bedingungen, die ihr die Vielfalt der Sprachen und der Rüekgang der Demographie auferlegen, eine Antwort geben. lhre Geburt wird nicht leicht sello Aber wenn die Errichtung der Einheit des Kontinents nicht durch Dummheit oder Schwäche aufgehallen wird, wird man nach und nach die Konkretisierung dieser erträumten Kultur seben, die innere Harmonie und internationale Brüderlichkeit verbindet. Die moralische Krise wird überwunden sello Von neuem wird man sich auf eine Werteskala berufen können.
Diejenigen, die in dieser Entwicklung die Dekadenz des europäischen Geistes anprangern werden, werden einem schweren Irrturn unterliegen. Die menschliche Vermehrung, so wie sie sich in Indien, in Ägypten und woanders entwickelt, kann nur zu einer Katastrophe führen. Afrika geht bereits an seiner Geburtenrate ein. Die Plünderung der Natur, so wie sie der Weltkapitalismus organisiert, kann nur zum Erstickungstod des Planeten führen. China erstickt bereits im Kohlenmonoxid. Dann ist Europa die andere Lösung! Sollen die Kritiker des alten, klapprigen Europa ruhig lachen. Eines Tages, der näher ist, als sie es sich vorstellen können, werden sie froh sein, die erneuerten Weisheitslehren der Griechen wieder empfangen zu können.
Diese von der europäischen Kultur wiederverbreitete Weisheit wird aus den Zwängen geboren sein, die unser Kontinent als erster erlitten und - hoffen wir - sublimiert haben wird.